Evakuierungsrucksack – wenn du schnell aufbrechen musst

Private Krisenvorsorge bedeutet vor allem, dort zurechtzukommen, wo man sich befindet, wenn der Alltag nicht wie gewohnt funktioniert. Es gibt jedoch Situationen, in denen es notwendig sein kann, die Wohnung, den Arbeitsplatz oder ein bestimmtes Gebiet zu verlassen.
Ein Brand, Hochwasser, ein größerer Unfall oder ein anderes schwerwiegendes Ereignis kann dazu führen, dass ein Gebiet evakuiert werden muss. Mit einem vorbereiteten Rucksack kannst du das Wichtigste schnell mitnehmen, ohne erst überlegen zu müssen, was eingepackt werden soll.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich darauf vorzubereiten, die eigene Wohnung im Notfall kurzfristig verlassen zu können und wichtige Dinge griffbereit zu haben.
Ein guter Evakuierungsrucksack sollte dir dabei helfen:
✦ Schnell aufbrechen zu können
✦ Grundlegende Bedürfnisse unterwegs zu decken
✦ Einen Ort zu erreichen, an dem du deine Vorsorge fortsetzen kannst
Go Bag, Bug Out Bag oder Evakuierungsrucksack?
Die Begriffe werden unterschiedlich verwendet und es gibt keinen Grund, die Definitionen komplizierter zu machen als nötig. Der Unterschied liegt vor allem in Zweck und vorgesehener Dauer.
Go Bag
Ein kleinerer Notfallrucksack, der dir dabei hilft, von deinem aktuellen Aufenthaltsort an einen sicheren Ort zu gelangen – beispielsweise vom Arbeitsplatz nach Hause.
Bug Out Bag
Ein umfangreicherer Rucksack für Situationen, in denen du einen Ort verlassen und für längere Zeit eigenständiger zurechtkommen musst.
Evakuierungsrucksack
Ein klarer deutscher Begriff für einen fertig gepackten Rucksack mit Dingen, die du mitnehmen musst, wenn du deine Wohnung oder einen anderen Ort kurzfristig verlassen musst.
Das Prinzip ist dasselbe: Das Wichtigste sollte bereits gepackt sein, wenn du aufbrechen musst.
Beginne mit dem Ziel – nicht mit der Packliste
Wie bei einem Notfallset ist es leicht, mit der Ausrüstung anzufangen. Beginne stattdessen mit der Situation.
Soll der Rucksack dir helfen, zehn Kilometer vom Arbeitsplatz nach Hause zu laufen? Soll er im Auto liegen? Oder soll die Familie die Wohnung kurzfristig verlassen und die erste Zeit an einem anderen Ort überbrücken können?
Daraus ergeben sich völlig unterschiedliche Anforderungen an den Inhalt.
Berücksichtige außerdem Jahreszeit, Entfernung, Transportmöglichkeiten und die Personen, die den Rucksack nutzen sollen.
Wobei soll dir der Rucksack helfen – und wie lange musst du mit dem auskommen können, was du trägst?
Was gehört in einen Evakuierungsrucksack?
Der Inhalt muss an die Person und den Einsatzzweck angepasst werden, doch einige grundlegende Bedürfnisse finden sich in den meisten Evakuierungsrucksäcken wieder.
Wasser
Eine kleinere Menge Trinkwasser bietet eine sofort verfügbare Reserve. Ergänze sie durch eine Flasche oder einen Behälter, der nachgefüllt werden kann, und gegebenenfalls durch einen kompakten Wasserfilter oder eine andere Möglichkeit zur Wasseraufbereitung.
Lebensmittel
Wähle kompakte Lebensmittel mit einem hohen Energiegehalt im Verhältnis zu Gewicht und Volumen. Verzehrfertige Lebensmittel sind besonders praktisch, wenn Zeit, Wasser oder Zubereitungsmöglichkeiten begrenzt sind.
Wärme & Wetterschutz
Regenponcho, Rettungsdecke oder Survival Bag, Handschuhe, Mütze und eine trockene Kleidungsschicht benötigen vergleichsweise wenig Platz. Für längere Zeiträume können Schlafsack und Isomatte sinnvoll sein.
Information, Licht & Energie
Stirnlampe oder Taschenlampe, Powerbank und ein kompaktes Radio ermöglichen es dir, etwas zu sehen, wichtige elektronische Geräte betriebsbereit zu halten und Informationen zu empfangen, wenn die Infrastruktur beeinträchtigt ist.
Erste Hilfe & persönliche Bedürfnisse
Ein kompaktes Erste-Hilfe-Set sollte schnell erreichbar sein. Ergänze es durch Medikamente, Brille, Hygieneartikel und andere persönliche Hilfsmittel.
Dokumente & Zahlungsmittel
Halte wichtige Kontaktdaten und relevante Dokumente auch ohne Telefon oder Internet verfügbar. Bargeld in kleineren Stückelungen kann nützlich sein, wenn elektronische Zahlungen nicht funktionieren.
Das Gewicht spielt eine Rolle
Ein häufiger Fehler besteht darin, sich auf jede denkbare Situation vorbereiten zu wollen.
Das Ergebnis ist schnell ein Rucksack, der sehr viel enthält – aber schwer zu tragen ist, wenn er tatsächlich gebraucht wird.
Priorisiere Ausrüstung, die grundlegende Bedürfnisse abdeckt, und passe die Menge daran an, wie weit der Rucksack realistischerweise getragen werden muss.
Ein leichterer Rucksack mit der richtigen Ausrüstung ist besser als ein vollständiger Rucksack, den du nicht tragen kannst.
Derselbe Rucksack passt nicht zu jeder Situation
Zu Fuß
Gewicht, Passform und Volumen sind entscheidend. Priorisiere Dinge, die unterwegs nur schwer ersetzt werden können.
Im Auto
Gewicht und Volumen sind weniger begrenzend. Dadurch kannst du zusätzliches Wasser, Lebensmittel, Wärmeausrüstung und weitere Reserven mitnehmen.
Je nach Jahreszeit
Ein Rucksack für einen kalten Wintertag in Deutschland benötigt andere Ergänzungen als ein Rucksack für einen Sommertag.
Baue den Rucksack modular auf
Eine gute Lösung ist eine Grundausstattung, die immer im Rucksack bleibt und je nach Situation, Jahreszeit und Transportmittel ergänzt wird.
Ein Wintermodul kann zusätzliche Wärmeausrüstung enthalten. Eine längere Strecke kann mehr Lebensmittel und Wasser erfordern. Wird der Rucksack im Auto transportiert, kann größere und schwerere Ausrüstung mitgeführt werden.
So musst du nicht für jede Situation einen völlig neuen Rucksack zusammenstellen.
Basismodul
Wasser, Energie, Licht, Information, Erste Hilfe und wichtige persönliche Gegenstände.
Situationsmodul
Ausrüstung, die daran angepasst ist, wohin du gehst, wie weit du unterwegs bist und welche Aufgaben du bewältigen musst.
Saisonmodul
Wärme, Wetterschutz und andere Ausrüstung, die je nach Jahreszeit ausgetauscht oder ergänzt wird.
Übe mit dem Rucksack
Ein fertig gepackter Rucksack bietet nur begrenzte Sicherheit, wenn du ihn nie ausprobiert hast.
Setze den Rucksack auf und gehe damit eine längere Strecke. Prüfe Gewicht und Passform. Benutze den Wasserfilter. Probiere die Stirnlampe aus. Kontrolliere, ob die Powerbank geladen ist und ob du weißt, wo sich die Erste-Hilfe-Ausrüstung befindet.
Überlege außerdem, welche Wege du normalerweise zwischen Zuhause, Arbeitsplatz, Schule und anderen Orten nutzt – und welche Alternativen es gibt, wenn die übliche Route nicht passierbar ist.
Ausrüstung, die du ausprobiert hast, ist deutlich wertvoller als Ausrüstung, die du lediglich eingepackt hast.
Evakuierungsvorsorge für Unternehmen und Einrichtungen
Für Unternehmen, Kommunen und andere Einrichtungen sieht die Evakuierungsvorsorge anders aus als für einen einzelnen Haushalt.
Es geht nicht nur darum, was eine einzelne Person tragen muss, sondern auch darum, welche Funktionen weitergeführt werden müssen, welche Ausrüstung mitgeführt werden muss und wohin Personal oder Führungsfunktionen verlegt werden können.
Individuelle Go Bags können beispielsweise die gemeinsame Ausrüstung einer Organisation für Führung, Kommunikation, Erste Hilfe, Dokumentation und Durchhaltefähigkeit ergänzen.
Wie zu Hause muss sich die Lösung an der tatsächlichen Aufgabe orientieren – nicht an einer allgemeinen Packliste.
Fertiger Evakuierungsrucksack oder selbst zusammenstellen?
Fertiger Go Bag / Bug Out Bag
Bietet eine durchdachte Grundausstattung, die sofort eingesetzt und anschließend an Person, Jahreszeit und Einsatzzweck angepasst werden kann.
Selbst zusammenstellen
Bietet volle Kontrolle über Inhalt, Gewicht und Prioritäten und eignet sich besonders gut, wenn du bereits viel Outdoor- und Vorsorgeausrüstung besitzt.
Unabhängig davon, welchen Weg du wählst, sollte der Rucksack an die Person angepasst sein, die ihn trägt, und an die Aufgabe, die er erfüllen soll.
Baue deine Evakuierungsvorsorge auf



Unabhängig davon, welchen Weg du wählst, sollte der Rucksack an die Person angepasst sein, die ihn trägt, und an die Aufgabe, die er erfüllen soll.




